JÜNGER, STÄRKER, BESSER, SCHÖNER
19. Mai 2018
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ÜÄBÄ ÜÄBÄ ÜÄBÄ

Wer musikalisches Geschick in die Wiege gelegt bekam ist, auf gut Deutsch gesagt, geputzt und gekämmt. Instrument angelegt und es klingt famos. Ganz von allein. Sie denken, es ist so simpel?

 

Da haben Sie sich, geschätzte Leserinnen und Leser, aber gehörig geschnitten.

 

Glauben Sie allen Ernstes, Jimmy Hendrix hat sich den lieben langen Tag LSD reingepfiffen und abends drauflos geschrammelt? Prince habe nichts Besseres zu tun gehabt, als sich vor seinen Auftritten Goggi in den Giebel zu ziehen? Und zu schlechter Letzt, dass die Ribi-Häxä von Herbst bis Frühling dem Alkohol und – Jessas, nein! – Haschware frönen? Und das sei es gewesen? Denkste. Bevor diese Rockstars sich überhaupt all die hübschen Drogen Rauschmittel Vitamine leisten konnten, mussten sie sich ihr täglich Brot hart verdienen.

 

Drum probe, wer sich ewig bindet

[Gast-Essay]

 

Gerade die Häxä, Leuchtfeuer der karnevalesken Szene Zentral-Helvetiens, setzen seit Ewigkeiten auf ein intensives herbstliches Boot Camp. Sprich: auf ein Probe-Wochenende im Oktober. Wissenswertes zu diesem Klassentreffen-ähnlichen Happening erfahren Sie genau hier:

 

 

Ort des Geschehens

 

Natürlich kann man ein Probeweekend bequem vor der eigenen Haustüre, sprich im gewohnten Habitat der Mehrzweckanlage Steini, abhalten. Aber zweitens haben die Häxä das Geld zum Verreisen und erstens ist der Ausflug nach Kerns im kulturhistorischen Kontext zu betrachten: es geht darum, den Graben zwischen Ob- und Nidwalden Jahr für Jahr etwas mehr zuzuschütten. Wundern Sie also nicht, sollten die Häxä auf der Shortlist für den Friedensnobelpreis 2020 auftauchen.

 

Ziel des Wochenendes (mit Abstufungen)

 

Für Drittmäucher und drüber: Das Erlernen piekfeinster musischer Kunst, das Heranführen an die Seele des Jazz, das Einswerden mit dem eigenen Instrument.

 

Für Zweitmäucher: das Erlernen der Fähigkeit, dem Vorwurf «Jetz chasch das Lied immer nuni?!» mit einer schlagfertigen Antwort den Wind aus den Segeln zu nehmen.

 

Für Erschtmäucher: das Auswendiglernen der Tonleiter und, wenn’s drin liegt, des ein oder anderen Namen eines Aktivmitglieds. Sollte reichen.

 

Nicht-Ziel des Wochenendes (allgemeingültig)

 

«Allzu zwischenmenschliches Getue gehören ins Ehegemach und nicht in die heiligen Täler des Sankt Niklaus von Flüe» (Zitat: Papst Franziskus, ca. Oktober 2013). Dem bleibt nichts hinzuzufügen.

 

Ausser: sollte doch etwas in dieser Hinsicht passieren, lautet der Leitsatz: «Was in Kerns passiert, bleibt auch in Kerns» (Und wird höchstens durch die Redaktion unters Volk gebracht. (Streng vertraulich, versteht sich.)

 

Verpflegung

 

Nachdem die erste und zweite Wahl für den Posten des Küchenchefs in Frieden ruhen, disponierte der Vorstand um und vertraut das Njam Njam Njam einer Handvoll heruntergerockten Alt-Häxä an. Zusammen bringen es die drei zwar auf ansehnliche 53 Gault Millau Punkte: diese stammen jedoch aus der Zeit, als man sie für die Absolvierung des Migros Klubschule-Kurs «Das Auftauen von Tiefkühlpizza in zehn einfachen Schritten» verliehen bekam. Das waren noch Zeiten…

 

Rahmenprogramm

 

Von den 48 Stunden, die ein Probeweekend umfasst, gehen 44 Stunden fürs Üben, 0.5 Stunden fürs Essen und 3.5 Stunden fürs Putzen drauf. Das bedeutet, dass die restlichen 30 Minuten fürs Networking, das Verbreiten von Klatsch und Tratsch oder das Ausüben von Brettspielen verwendet werden. Das Gesellige kommt also keineswegs zu kurz. Hossa!

 

Der Sonntag

 

Kurz zusammengefasst in drei Sätzen: «Ich habe solche Kopfschmerzen…», «… und ich erst!» und «Müssen wir heute wirklich noch proben?!»

 

 

den Tiptopf konsultierend, die pensionierte Red.