LIEBER SPÄT ALS NIE
29. Juli 2017
MARTINI DRY
11. November 2017
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HÄXÄ: EIN FRONT-REPORT

Ach wie schön: Der Herbst ist da, sehr geehrte Leserinnen und Leser! Haben Sie bestimmt schon gemerkt, als Sie die Zeitung morgens aus dem Briefkasten geholt haben. Oder sich wunderten, dass Sie von Passanten schief angeschaut werden, weil Sie kurze Hosen tragen. Oder dass Sie bereits den ersten Schnupfen eingefangen haben (was mit Punkt zwei zu tun haben könnte).

Herbst halt. Und jetzt sind Sie ja natürlich gespannt darauf zu erfahren, wie sich ein Herbst in einer Guugge so ankündigt. Nehmen wir als Beispiel die Guugge… hmm, kurz überlegen. Ja, genau: die Ribi-Häxä Dallenwil. Könnte hinhauen.

Also, die Jahreszeit der Melancholiker kündigt sich in der Regel folgendermassen an: nach langer Pause kommt man zurück ins etwas verstaubte Guuggenlokal und was einem erwartet, sind vom Grünspan durchsetzt goldig glänzende Blasinstrumente, an welchen König Midas persönlich Hand angelegt zu haben scheint. Was von Vorteil ist, denn so kann man direkt mit dem Proben starten.

 

Thank you for the Music (and R.I.P. Bobby)

 

 

Proben ist sowieso das wichtigste bei den Häxä. Weil, wegen der Musik sind wir ja schliesslich hier, d’accord? Voilà, also legen wir unser Augenmerk heute auf diese Thematik. Bei der ersten Probe ist es nämlich in der Regel so, dass sich die Lieder in unserem Repertoire in die folgenden Kategorien einteilen lassen:

 

Kategorie: 1: Spielt sich locker aus der Hüfte. Muss im Grunde gar nicht geprobt werden. Wird aber natürlich genau aus diesem Grund am liebsten geprobt. (Ist ja auch in der Schule so: Lernen macht am meisten bei dem Spass, dass man eh schon kann.)

 

Kategorie 2: Die ersten Nörgler melden sich unter vorgehaltener Hand. Im Sinne von: «Warten wir mal ab, ob es gleich beim ersten Versuch perfekt klappt. Wehe, wenn nicht…» Aus dieser Situation gibt es nur zwei Auswege: i) es klappt perfekt. Lied ab sofort der Kategorie 1 zuzuordnen. ii) ein Erschtmäucher hat im falschen Moment Luft geholt. Lied subito ab in der Kategorie 3 (siehe unten) verschachern. Mindestens. (Brutal, ja.)

 

Kategorie 3: Hier wird’s knifflig. Irgendein Teilzeit-Abstinenzler wagt sich zu erinnern, dass dieses Lied an der Vorfasnacht 201X im tiefsten Luzerner Hinterland (oder war es in Hogwarts?) einfach nur s-a-g-e-n-h-a-f-t geklungen haben soll. Der grosse Rest der Mitglieder hat da so seine Zweifel, ist aber frohen Mutes, dem im Grunde genommen lustigen Kerli, der das behauptet, zu vertrauen. Zu Unrecht, wie sich bald herausstellen wird. Lied ist also spätestens ab Ende November in Kategorie 4 beerdigt – bis just vor der nächsten Saison (bitte zu jenem Zeitpunkt wieder ab «Kategorie 3: Hier wird’s knifflig.» zu lesen beginnen).

 

Kategorie 4: Ganz schwierig. Selbst eine Kreuzung aus George Clooney und einem Koala hätte hier grösste Mühe, einen Song aus dieser Kategorie einem Taubstummen «gluschtig» zu machen. Der Oberguugger – Optimist und Menschenfreund durch und durch – lässt es sich trotzdem nicht nehmen, seine Freude am Lied und überhaupt seine Nächstenliebe mit der Giesskanne zu verteilen (Lieblingszitat: «Losid Häxä, spielen werden wir es sowieso, also…!»). Reaktion der Mitglieder: die Nächstenliebe wird nur geringfügig retourniert.

 

Kategorie 5: Sozusagen der Hurrikan «Irma» der schlechten Songs. Gibt es bei den Häxä nicht. Nein, niemals, no, njet. (Anmerkung: die Redaktion wurde nur geringfügig geschmiert.)

 

Wie man sieht, eine solche Probe ist gar nicht mal so einfach. Das hat dann auch viel mit Menschenkenntnis, Einfühlvermögen und auch ein bisschen mit musikalischer Kenntnis (hüstel) zu tun. Lieb sein zueinander, ist schon noch wichtig. Und einander zuhören. Manchmal auch besser weghören. Aber schon hauptsächlich zuhören, doch. Allesamt wichtige Attribute bei den Häxä.

 

Wenn Sie sich als geduldige/r Leser/in nun fragen, was diese nachdenklichen Worte im obigen Absatz für eine Bedeutung haben: in dieser Woche ist zu unserem tiefsten Bedauern ein langjähriger Freund und Wegbereiter der Häxä auf brutalste Weise ums Leben gekommen: Bobby A. Bobby, wie er abgekürzt genannt wurde – dieser liebenswürdige Kläffer und Pullover Träger – wurde von einem wildgewordenen Kampfhund jäh aus dem Leben gerissen. Vermutlich in jugendlichem Leichtsinn – wer mag es ihm verübeln, dem kleinen Racker? – hat sich Bobby einen kleinen Scherz erlaubt und einen deutlichen grösseren Hund (nein, eine Bestie!) angebellt. Das wird man ja wohl noch dürfen, oder? Nein, darf man offensichtlich nicht. Nun wacht Bobby aus dem Hundehimmel über uns, so wie nur er das kann. Rest in Peace, Bobby! Du wirst für immer in unseren Herzen bellen…

 

 

die Asche verstreuend, die Red.